
Die Recyclinganlage in Althengstett
Ja zum Recycling – nein zum Standort im Langenlöchle (Wald Schnaufer-Teich)
Die Firma Morof plant in Althengstett eine großflächige Sekundärrohstoff‑Recyclinganlage mit rund 50 Arbeitsplätzen, Millioneninvestitionen und CO₂‑Einsparung. Das klingt sinnvoll, doch der geplante Standort im sensiblen Waldgebiet "Im Langenlöchle" bedroht ein wertvolles Naturparadies mit mehreren Tümpeln und einem einzigartigen Biotopverbund.
Warum der Standort im Langenlöchle problematisch ist
Direkt hinter dem Schnaufer‑Teich sollen für die Recyclinganlage etwa 3,5 Hektar Wald gerodet werden, obwohl sich dort ein empfindlicher Feuchtlebensraum befindet. Die Fläche verbindet fünf Tümpel – drei im Norden und zwei im Süden – und ist wichtiger Lebensraum für Amphibien, Reptilien und Vögel fast das ganze Jahr über.
Schon beim Bau des Gewerbegebiets Unteres Ried wurde viel Natur zerstört, jetzt droht im Langenlöchle weiterer Verlust von Artenvielfalt und Naherholung. Das Gebiet prägt die Gemeinde Althengstett und ist als Rückzugsraum in Zeiten des Klimawandels besonders schützenswert.
Wir befürworten die Recyclinganlage – aber nicht an diesem Standort
Die Bürgerinitiative Langenlöchle, Bürgerinnen und Bürger aus Althengstett sowie Mitglieder von BUND und NABU unterstützen ausdrücklich die Idee einer regionalen Recyclinganlage. Eine moderne Kreislaufwirtschaft ist wichtig, um Ressourcen zu schonen und CO₂ zu reduzieren.
Doch Nachhaltigkeit darf nicht auf Kosten eines sensiblen Waldbiotops gehen, wenn weniger konfliktträchtige Alternativen verfügbar sind. Deshalb sagen wir Ja zum Recycling, aber Nein zum Standort im Langenlöchle, solange es keine Überprüfung von möglichen Alternativstandorten gibt.
Der NABU Calw und Umgebung ist für den Erhalt dieses wichtigen Lebensraums für Tiere und Menschen und fordert mehr Engagement bei der Suche nach einem alternativen Standort.
Mehr zum Thema: https://www.bund-althengstett.de/langenlochle/

„WIR HABEN VIEL ZU LANGE DIE MEINUNG
VERTRETEN, ES GEBE NUR ZWEI
KAPITALBEREICHE FÜR ENTWICKLUNG -
DAS FINANZKAPITAL UND DAS HUMANKAPITAL.
WIR HABEN UNS ÜBER LANGE ZEIT HINWEG
DER ILLUSION HINGEGEBEN, DASS ES SO ETWAS
WIE UMWELTKAPITAL NICHT GIBT UND DAS MAN
DIE UMWELT, DAS UMWELTKAPITAL ZUM NULLTARIF
NUTZEN KANN UND MAN IN DIESEN
KAPITALSTOCK NICHT REINVESTIEREN MUSS.“
Das sagte Klaus Töpfer (CDU) 2005. Er war von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Regierung von Helmut Kohl.
Aber lass uns doch einfach einmal anschauen, was die biologische Vielfalt für unsere Wirtschaft und Lebensqualität bedeutet.
Der Begriff Kapitalertrag durch Biodiversität lässt sich als der wirtschaftliche oder finanzielle Nutzen verstehen, der aus der Erhaltung und Nutzung der biologischen Vielfalt resultiert. Biodiversität – also die Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme – ist eine grundlegende Ressource, die vielfältige ökonomische Werte generiert und auch als Naturkapital bezeichnet wird.
Dazu ein Link aus dem Jahr 2015 Prof. Dr. Bernd im Gespräch mit Karsten Schwanke
Hier nur drei Beispiele wie Ökosystemleistungen und der Natur- und Artenschutz als wirtschaftliche Grundlage uns deutliche Vorteile verschaffen und für stabile Kapitalerträge für Gesellschaft und Wirtschaft sorgen.
Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten.
Weltweit wird der Wert der Bestäubung durch Insekten auf etwa 150 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt.
Bodenerhaltung und Fruchtbarkeit durch vielfältige Pflanzen- und Mikroorganismen
Negativbeispiel ist der übermäßiger Einsatz von Gülle in der konventionellen Landwirtschaft der das natürliche Gleichgewicht der Bodenmikroorganismen zerstört und damit die Fruchtbarkeit der Ackerböden gefährdet und damit unsere Nahrungsmittelversorgung. Eine nachhaltige Landwirtschaft dagegen sichert nicht nur gesunde Böden und damit stabile Erträge auf Dauer, sondern sorgt auch für wirtschaftliche Unabhängigkeit. Explodierende Düngemittelpreise, wie wir sie gerade erleben,
Hochwasserschutz und Starkregenregulierung durch Feuchtgebiete und Wälder
Ein faszinierender Verbündeter in Sachen z.B des Hochwasserschutz ist der Biber.
Er ist ein lebendes Beispiel dafür, wie Biodiversität und Naturschutz direkt unsere Lebensqualität verbessern können und er zeigt uns auch, ganz ohne Beratungshonorar, wie wir durch natürliche Lösungen, Ökologie und Wirtschaft verbinden können.
Wer mehr über den Biber und seine Leistungen auch zur Stabilisierung des Grundwasserspiegels, zum Thema Erosionsschutz und Abfluss von Starkregenereignissen erfahren möchte, dem sei folgender Link empfohlen:
Intakte Ökosysteme sichern unsere Lebensgrundlagen und sind letztendlich die Basis für eine stabile Wirtschaftsentwicklung von der Landwirtschaft bis zur Industrie. Mit dem Schutz der biologischen Vielfalt schützen wir unser aller Lebensräume. Dabei haben wir über Klimaschutz, Medizinische Ressourcen, Trinkwasser und Luftqualität noch nicht geredet und auch nicht über eine ganz besondere Lebensqualität im Einklang mit der Natur.
NABU Calw: Keine gute Nacht für den Igel
NABU weist auf immer häufigere Verletzungen durch Mähroboter hin
Calw – Der Igel steht vor großen Herausforderungen. Seine Lebensräume in der Agrarlandschaft schwinden und die neue Zuflucht in Gärten und Parks entpuppt sich als zunehmend gefährlich. Schätzungen zufolge leben dort trotzdem bis zu neunmal so viele Igel wie in der freien Landschaft.
Igel fallen Mährobotern häufig zum Opfer
In der vermeintlichen Idylle sehen sich Igel seit einigen Jahren mit einer neuen Bedrohung konfrontiert, die unvermittelt auftaucht: Mähroboter. Sie sind meistens nicht clever genug, um Igel zu erkennen, wie die Igelforschungsgruppe am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung herausgefunden hat. Denn: Igel flüchten nicht bei Gefahr, sondern kugeln sich ein. „Eigentlich ein sehr cleveres Verhalten, wenn man ein Stachelkleid besitzt. So spart man Energie für Flucht oder Kampf. Aber leider fatal angesichts von Straßenverkehr – und Mährobotern“, sagt Renate Fischer vom NABU Calw. Eine Begegnung mit einem Mähroboter endet für Igel häufig katastrophal. Igelschützerinnen und -schützer berichten von Schnittwunden und abgetrennten Gliedmaßen bis hin zu tödlichen Verletzungen. Etwa die Hälfte der verletzt aufgefundenen Igel überlebt nicht. Hinzu kommt die hohe Dunkelziffer: Viele verletzte Stachelträger verkriechen sich unter einer Hecke und verenden dort unbemerkt.
Mähroboter-Verkauf um 45 Prozent angestiegen
Erst kürzlich wurde vermeldet, dass der Mähroboter-Absatz in den ersten Monaten dieses Jahres um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen ist. Mit der wachsenden Verbreitung der Mähroboter hat auch die Zahl verletzter Igel stark zugenommen, erklärte kürzlich die Landestierschutzbeauftragte in Baden-Württemberg, Julia Stubenbord. „Der Konflikt zwischen Igel und Roboter ließe sich ganz einfach vermeiden. Da Igel überwiegend nachts und in der Dämmerung unterwegs sind, sollte man die Roboter nur tagsüber und unter Aufsicht betreiben. Das leitet sich aus dem Tierschutzgesetz und dem Naturschutzgesetz ab: Tieren darf man kein vermeidbares Leid zufügen“, so Renate Fischer von der NABU-Gruppe Calw. Wir fordern daher ein Nachtfahrverbot, bekräftigt Fischer. Köln und Mainz etwa haben das bereits eingeführt, in weiteren Städten und Gemeinden wird ebenfalls an entsprechenden Regelungen gearbeitet.
NABU lehnt Mähroboter ab
Mähroboter sind nicht nur eine Gefahr für Igel, sondern auch für viele Kleintiere und Jungvögel, die ihre ersten Flugversuche starten und auf dem Rasen landen. Und sie vernichten die Lebensgrundlage zahlreicher Insekten. „Kurz geschorene Rasen bieten keinerlei Nahrung für Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge, da Gänseblümchen, Löwenzahn oder Gundermann gar nicht zum Blühen kommen“, führt Fischer aus. „Wenn man auf Mähroboter nicht verzichten will, sollten diese nur tagsüber und unter Aufsicht den Rasen kürzen. Auch sollten Bereiche des Gartens ausgespart werden, um Rückzugsräume für Tiere zu erhalten.“
Es gäbe auch eine technische Lösung: Die Hersteller könnten die Mähroboter so programmieren, dass ein Einschalten nachts nicht mehr möglich ist. Das ist allerdings noch nicht die Regel. „Da wünschen wir uns mehr Durchsetzungskraft aus der Politik, damit der permanente Verstoß gegen das Naturschutzgesetz bei (nächtlichem) Roboter-Einsatz endlich ein Ende findet“, so Renate Fischer.
Calw, 27.07.2025